POESIE & PROTEST
Frédéric Chopin –
Konzert für Klavier und Orchester Nr. 1 e-Moll op. 11 (1830)
Dmitri Schostakowitsch –
Sinfonie Nr. 5 d-Moll op. 47 (1937)
Asami Yoshihara | Klavier
Bastian Heymel | Musikalische Leitung
Junges Sinfonieorchester an der Universität Münster
Samstag, 20. Juni 2026 | 19:30 Uhr
Sonntag, 21. Juni 2026 | 18:00 Uhr
Freie Waldorfschule Münster | Rudolf-Steiner-Weg 11 | 48149 Münster
Poesie und Protest markieren zwei grundlegende Weisen, wie sich der Mensch zur Welt verhält. Poesie bedeutet Rückzug ins Innere, Verdichtung von Erfahrung und Suche nach Sinn jenseits des unmittelbaren Handelns. Protest hingegen bezeugt Haltung nach außen: Widerspruch, Spannung und die Weigerung, Gegebenes widerspruchslos hinzunehmen. Dieses Konzert stellt zwei Werke nebeneinander, die auf sehr unterschiedliche Weise zeigen, was Musik ausdrücken kann: persönliche Empfindung und gesellschaftliche Stellungnahme.
Frédéric Chopins erstes Klavierkonzert ist ein Werk der Konzentration auf das Innere. Es verkörpert eine Poesie, die nicht eskapistisch ist, sondern existenziell. Das Klavier steht im Zentrum und entfaltet eine Klangsprache, die von Gesanglichkeit, natürlicher Eleganz und Nuancierung geprägt ist. Virtuosität dient hier nicht der Überwältigung und Dramatik, sondern der Verfeinerung des Ausdrucks.
Der erste Satz verbindet formale Klarheit mit lyrischem Gestus. Das Klavier tritt nicht kämpfend gegen das Orchester an, sondern scheint über ihm zu schweben, als würde sich der Klang frei im Raum bewegen. Der emotionale Kern des Konzerts ist das berühmte Larghetto: ruhig, zurückgenommen und von großer Intimität. Der Ausdruck bleibt persönlich und unaufdringlich, fast kammermusikalisch, als bewege sich die Musik in einem geschützten Raum. Im Finalsatz gewinnt die Musik an rhythmischer Energie und Leichtigkeit, ohne dabei ihren poetischen Charakter zu verlieren.
Chopins Klavierkonzert steht für eine Kunst, die sich bewusst auf subjektive Empfindung konzentriert, der Klang des Klaviers wirkt wie eine Stimme, die sich selbst befragt, immer auf der Suche nach innerer Wahrheit und Wahrhaftigkeit: Musik als persönlicher Ausdruck, nicht als Stellungnahme zur Außenwelt.
Ganz anders die Situation, in der Dmitri Schostakowitsch seine Fünfte Sinfonie komponierte. Das Werk entstand unter massivem politischem Druck, in ihm artikuliert sich eine Haltung, die zwischen Anpassung und Widerstand oszilliert. Die formale Anlage ist klassisch, fast konventionell, doch unter dieser Oberfläche entfaltet sich eine vielschichtige, spannungsreiche Musik.
Schon die ersten Takte machen deutlich: Diese Musik bewegt sich in einem Raum, in dem nicht alles ausgesprochen werden darf. Unter der scheinbaren Sachlichkeit lodert eine intensive innere Glut, extreme Kontraste prägen das Werk. So stehen lyrische Passagen neben schroffen, harten Klangblöcken, emotionale Wärme und Distanz, Ernst und Ironie, Schmerz und Hoffnung existieren nebeneinander. Besonders der Finalsatz ist bis heute Gegenstand unterschiedlicher Deutungen: als Triumph, als Zwang, als übersteigerte Geste. Der Protest dieser Musik ist kein offener Aufschrei, sondern ein vieldeutiger, musikalisch codierter Widerstand.
In der Gegenüberstellung der beiden Komponisten wird deutlich, wie unterschiedlich Musik auf ihre Zeit reagieren kann. Chopin zieht sich in die Poesie des persönlichen Ausdrucks zurück, während Schostakowitsch eine Form sucht, Haltung zu bewahren, ohne dabei offen sprechen zu dürfen. Der Titel Poesie & Protest beschreibt damit nicht nur einen stilistischen Gegensatz, sondern zwei grundlegende künstlerische Haltungen – beide gültig, beide notwendig, beide bis heute aktuell.
Bastian Heymel
Die junge und vielversprechende japanische Pianistin Asami Yoshihara ist Preisträgerin vieler Wettbewerbe, darunter die „International Moscow Music Competition“, die „3rd Rachmaninoff International Piano Competition Japan“, die „Clara Schumann International Competition“, die „New York Golden Classical Music Awards International Competition“ und der „Steinway Förderpreis Münster 2024“. Asami konzertiert regelmäßig solistisch in Japan und Deutschland, so spielte sie in der Bielefelder Oetkerhalle im November 2024 in der renommierten Konzertreihe „Neue Namen“ des Konzertveranstalters Schoneberg ein viel beachtetes und von Presse und Publikum mit Begeisterung quittiertes Rezital mit Werken von Chopin. Ihre CD-Aufnahmen mit Werken von Chopin und Debussy sind Ausweis ihrer herausragenden künstlerischen Fähigkeiten, ihre einfühlsamen Interpretationen verbinden Virtuosität mit Lyrik und zeugen von Ihrer brillanten Technik und Musikalität.
Asami Yoshihara studiert zurzeit in der Klasse von Prof. Michael Keller an der Musikhochschule Münster und strebt dort den höchsten künstlerischen Abschluss „Konzertexamen“ an.
Asami spielt Chopin: https://www.youtube.com/watch?v=1RtZAdvvRLg&list=RD1RtZAdvvRLg&start_radio=1